Erinnerungspolitik / Gedenkstätten / Freiheits- und Einheitsdenkmal

1. Juni 2017

Freiheits- und Einheitsdenkmal ohne breite öffentliche Debatte

Rede zum Antrag der Koalitionsfraktionen "Beschlüsse zum Freiheits- und Einheitsdenkmal konsequent umsetzen" (Drucksache 18/12550)

Der vorliegende Antrag der Koalition erweckt den Eindruck, es hätte seit 2007 eine breite öffentliche Debatte, einen breiten öffentlichen Diskurs über ein Freiheits- und Einheitsdenkmal in Berlin gegeben. Richtig ist: Die Entscheidungen wurden verkündet. Wir Linken verstehen unter „Beteiligung“ aber mehr als bloße Information, nämlich Mitbestimmung.

(Beifall bei Abgeordneten der LINKEN)

Sie war auch dem Kulturausschuss des Bundestags nicht vergönnt.
Mitbestimmung meint nicht, der Künstlerin oder dem Künstler ins Werk zu reden, wie immer behauptet wird. Vielmehr ist damit einfach ein aktives Mittun bei der Konzeption der Ausschreibung, bei der Gestaltung der Wettbewerbsbedingungen und auch ein Mitentscheiden-Dürfen gemeint, und gerade bei einem Denkmal, das an die Selbstermächtigung der Bürgerinnen und Bürger der DDR 1989/90 erinnern soll, wäre sie mehr als geboten gewesen. Insofern verwundert es auch nicht, dass das Denkmal in dieser Form und an diesem Ort kaum auf Akzeptanz stößt.

(Lachen des Abg. Michael Brand (CDU/CSU))

Ich weiß nicht, wo Sie die Behauptung hernehmen, dass es eine breite Zustimmung zur goldenen Wippe, Waage oder Schale gibt. Umfragen, Leserbriefspalten, soziale Medien und nicht zuletzt das Feuilleton zeichnen ein ganz anders Bild.

 

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31. Mai 2017

Fachgespräch zur Gedenkstättenpädagogik und der Anerkennung von bisher vernachlässigten NS-Opfergruppen

Im Ausschuss für Kultur und Medien standen heute gleich zwei Fachgespräche auf dem Programm: zur Reform der sog. Limbach-Kommission, die in Streitfällen bei der von NS-verfolgungsbedingt entzogenen Kulturgütern angerufen werden kann, und zur Situation der pädagogischen Arbeit in den NS-Gedenkstätten, wobei auch die Anerkennung von bisher vernachlässigten Opfergruppen wie zum Beispiel den sog. „Asozialen“ und „Berufsverbrecher*innen“ thematisiert wurde.

Deutlich wurde im zweiten Fachgespräch erneut, dass die NS-Gedenkstätten weiterhin kaum in der Lage sind, die Anfragen von Besuchergruppen rein quantitativ zu erfüllen. Hinzu kommt, dass es aufgrund neuer Herausforderungen einen großen Bedarf an der Entwicklung zielgruppenspezifischer pädagogischer Konzepte gibt und auch das bürgerschaftliche Engagement vor Ort z.B. zu den NS-Außenlagern braucht professionelle Begleitung.

Vor diesem Hintergrund hatten die „Arbeitsgemeinschaft der KZ-Gedenkstätten“ und das „Forum der Landesarbeitsgemeinschaften der Gedenkstätten, Erinnerungsorte und -initiativen in Deutschland“ vor kurzem eine gemeinsame Erklärung verabschiedet, in der sie eine deutliche Erhöhung der Anstrengungen von Bund und Ländern fordern, um den wachsenden Aufgaben überhaupt noch gerecht werden zu können. Zudem schlagen sie die Einrichtung einer Stiftung vor, die vergleichbar zur Bundesstiftung Aufarbeitung der SED-Diktatur Unterstützungsmöglichkeiten bietet für Aufarbeitungsinitiativen, Forschungs- und Bildungsprojekte – auch unabhängig von einer finanziellen Beteiligung der Länder.

 

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23. Mai 2017

Antwort auf unsere Kleine Anfrage "Förderung der pädagogischen Arbeit der Gedenkstätten des Bundes"

Mit dem im November 2008 verabschiedeten Gedenkstättenkonzept des Bundes hat dieser die Bundesförderung auf eine Reihe weiterer Gedenkstätten ausgeweitet, die als zentrale Erinnerungsorte der Bundesrepublik Deutschland angesehen werden. Aus Sicht der Gedenkstätten ist vor allem die ausreichende personelle Ausstattung von Bedeutung, denn in zahlreichen Einrichtungen sind die Anforderungen an das Personal, auch aufgrund der erfreulichen Entwicklung der Besucherzahlen, stark gestiegen.

Im aktuellen Koalitionsvertrag zwischen CDU, CSU und SPD heißt es unter der Überschrift Gedenken und Erinnern: „Das bewährte Gedenkstättenkonzept ist weiterzuentwickeln.“ Zwar hat die Beauftragte für Kultur und Medien auf ihrer Homepage am 24. Oktober 2016 Grundzüge der Weiterentwicklung der Gedenkstättenkonzeption umrissen und dabei die „Entwicklung neuer didaktischer Konzepte“ und „eine Stärkung der Gedenkstättenpädagogik“ eigens hervorgehoben.

Für die Umsetzung dieser Aspekte ist aber ausreichend Personal, das entsprechende Qualifikationen mitbringt und längerfristig arbeiten kann, unerlässlich.

HIER unsere Fragen diesbezüglich und die Antworten der Bundesregierung. 

22. März 2017

Unser Antrag „Keine Beteiligung des Bundes am Wiederaufbau der Garnisonkirche Potsdam“

Protest gegen den Wiederaufbau an dem Ort, wo die Garnisonkirche einst stand

In der heutigen Sitzung debattierte der Ausschuss für Kultur und Medien auch unseren Antrag „Keine Beteiligung des Bundes am Wiederaufbau der Garnisonkirche Potsdam“ (BT-DS 18/10061), in dem wir den Bund auffordern, aus der Finanzierung des Wiederaufbaus der Garnisonkirche in Potsdam auszusteigen. An der Garnisonkirche als einstige Hof- und Militärkirche Preußens spiegelt sich die preußisch-deutsche Geschichte in der Verknüpfung von Staat, Kirche und Militär auf verhängnisvolle Weise wider. Im Zweiten Weltkrieg brannte die Kirche aus, nur die Umfassungsmauern blieben stehen. Die Kirche wurde schließlich 1968 gesprengt. Sie heute wiederaufzubauen ist für uns jedoch keineswegs ein Signal der Versöhnung und des Friedens, sondern bietet vielmehr viel zu viele Anknüpfungspunkte für rechtsextreme, militaristische Kreise.

Ganz abgesehen von der politischen Bewertung spricht nach aktuellem Stand überhaupt und gar nichts für ein solides Bauprojekt, das der Bund mit stolzen 12 Mio. unterstützen will – mittlerweile fast die Hälfte der gesamten Baukosten. Die ursprünglich vorgesehene Bundesförderung von 12 Mio. Euro bezog sich auf die Gesamtkostenrechnung von 42 Mio. Euro. Da bis heute nicht ausreichend Spenden eingegangen sind, wurden die Kosten auf 26,1 Mio. heruntergerechnet. Dafür soll nur noch ein Turmstumpf gebaut werden, ohne Turmhaube, Zierrat und Schmuckelementen – also ohne all das, was den „preußischen Barock“ der Kirche ausmachte und was bei der Inaussichtstellung der Mittel seitens des Bundes von Relevanz war. Begründet hat man die damals nämlich mit der Bedeutung als nationales Denkmal. Beim nun angedachten Turmstumpf ist selbst mit größter Kreativität kein Denkmalcharakter mehr erkennbar.

Bisher liegt kein tragfähiges Kosten- und Finanzierungskonzept vor, was Gründe hat. Denn der Wiederaufbau der Garnisonkirche wird keineswegs öffentlich breit getragen. Die meisten Spenden kommen von Einzelpersonen, in der Vergangenheit auch nicht immer von Menschen ohne zweifelhaften Ruf. Der größte Teil der Drittmittel konnte nur über Darlehen zusammengesammelt werden – 4,75 Mio. allein von der Evangelische Kirche, wobei die Entscheidung dafür recht knapp ausfiel und auch die Initiative „Christen brauchen keine Garnisonkirche“ unübersehbar ist.

Völlig unklar ist auch, wie die Stiftung diese Darlehen jemals zurückzahlen will. Der Turm soll ein Versöhnungszentrum werden, eine Begegnungsstätte – dafür kann man doch nicht ernsthaft so hohe Eintrittsgelder erheben, dass man in 30 Jahren 4,75 Mio. Euro zurückzahlen kann. Pro Tag müssten so 433 Euro zusammenkommen!

Bis heute hat es die Stiftung Garnisonkirche Potsdam nicht geschafft, im Sinne der Haushaltsordnung belastbare Unterlagen vorzulegen. Das haben die zahlreichen Anfragen meiner Fraktion immer wieder verdeutlicht. Zuletzt musste Staatsministerin Grütters richtigstellen, dass bis heute kein konkreter Antrag vorliegt – obwohl die Stiftung Anfang März medial verbreiten ließ, dass der Bau beginnen könne. Dass man so agiert, stellt für uns LINKE die Seriosität der Stiftung einmal mehr in Frage.

Es besteht also die dringliche Gefahr, eine Förderruine zu produzieren – die noch dazu in der heutigen Zeit, in der wir es mit erstarkenden Rechtspopulismus und Nationalismus zu tun haben, ein völlig falsches Signal setzen würde.

Unser Antrag ist in der kommenden Woche auch Gegenstand im Plenum.

15. Februar 2017

Freiheits- und Einheitsdenkmal kommt nun doch

Gestern Morgen, vielleicht in gemütlicher Runde beim Frühstück, wurde nun die monatelange Debatte um das Freiheits- und Einheitsdenkmal beendet, indem die Koalitionsspitzen handstreichartig entschieden haben, dass es in geplanter Form und an der angedachten Stelle vor dem Berliner Schloss entstehen soll.

Aber was ist das mal wieder für ein Verfahren!? Befriedet werden sollte damit offenbar vor allem der Streit in der CSU/CDU-Fraktion, deren erinnerungspolitischer Sprecher, Philipp Lengsfeld, sich beim Fachgespräch im Ausschuss im Januar noch gegen das Denkmal in Berlin ausgesprochen und stattdessen Leipzig favorisiert hat. Und auch die Kulturstaatsministerin selbst hatte den Standort in Frage gestellt. Die Fraktionsführung war den Streit offenbar leid und hat ein Machtwort gesprochen.

Wie es parlamentarisch weitergeht, ist aber immer noch unklar, zumal die offenen Fragen mit der Entscheidung ja noch nicht gelöst sind. Klar ist lediglich: die historischen Kolonnaden kommen nicht, immerhin. 

SPIEGEL online: Und sie bauen es doch

25. Januar 2017

Fachgespräch zum Freiheits- und Einheitsdenkmal

Ich bedauere es, dass wir uns im Vorfeld – trotz vereinten Kräften – nicht mit dem Votum durchsetzen konnten, diese Anhörung öffentlich durchzuführen. Erst recht, da es um ein Denkmal geht, das an die Selbstermächtigung von Bürgerinnen und Bürger der DDR erinnern soll und das auf die Akzeptanz von Seiten der Öffentlichkeit angewiesen ist.

Meine Fraktion hat im April im Haushaltsausschuss für den Pausenknopf, also für den Neustart der Debatte gestimmt, im November aber gegen die Errichtung der preußischen Kolonnaden. Wir halten diese Idee für absurd und auch das Verfahren für absolut kritikwürdig. Wie schon beim Neptunbrunnen haben die Haushälter der Koalition Millionenbeträge für die Berliner Stadtraumgestaltung beschlossen, ohne Rücksichtnahme auf bereits durchgeführte Gestaltungswettbewerbe oder Bürgerbeteiligungsverfahren in Berlin.

Aus dieser Position folgt aber nicht, dass wir nun das Freiheits- und Einheitsdenkmal an diesem Standort und in der geplanten Form verteidigen. Wie man sich im April und danach den Architekten gegenüber verhalten hat, finde ich ärgerlich und wirklich peinlich.

Dennoch bleiben wir bei unserer Kritik, die meine Fraktion von Anfang an geäußert hat. Nicht etwa, weil wir keine Erinnerung an die friedliche Revolution möchten. Ganz im Gegenteil: wir fanden, dass sich gerade die Aufbruchsstimmung, das Streben nach demokratischen Reformen in der DDR an diesem Ort, vor dem wiedererrichteten Preußen-Schloss, nicht angemessen würdigen lassen und vor allem war es unseres Erachtens kein Projekt einer breiten Öffentlichkeit. 

 

Hier ein "Tagesspiegel"-Artikel zu dieser Ausschusssitzung

9. November 2016

Öffentliches Fachgespräch soll Klärung in Sachen Freiheits- und Einheitsdenkmal bringen

Ich habe es sehr begrüßt, dass wir uns heute im Ausschuss für Kultur und Medien, dem zuständigen Fachausschuss, noch einmal mit dem Freiheits- und Einheitsdenkmal beschäftigt haben. Denn ich finde es doch sehr befremdlich, wenn im Haushaltsausschuss aus rein fiskalischen Überlegungen Entscheidungen getroffen werden, die eigentlich kulturpolitisch zu klären sind. Das gilt auch dann, wenn ich die dort getroffene Entscheidung im Einzelfall für richtig halte.

Daher unterstütze ich auch den gestern von der SPD unterbreiteten Vorschlag, sich noch einmal eingehend mit dem Freiheits- und Einheitsdenkmal im Rahmen eines öffentlichen Fachgesprächs des Ausschusses auseinanderzusetzen. 

Wir haben die Entscheidung des Haushaltsausschusses als Stopp des jetzigen Planungsprozesses interpretiert. Wir sehen darin nicht das Ende der gesamten Debatte zur Frage, wie ein Gedenken an 1989/90 und wie eine Aktualisierung der Aufbruchsstimmung von damals aussehen könnte.

Genau diese Fragen sind doch aber die zentralen – und sie wurden, so ist mein Eindruck, im Zuge des bisherigen Planungsprozesses zum Freiheits- und Einheitsdenkmal nicht richtig gestellt. Auch daher war das jetzige Denkmal schon von Anfang an zum Scheitern verurteilt:

  • Die Idee, damit alle Freiheitsbewegungen der wechselvollen deutschen Geschichte zusammenzufassen, hat es inhaltlich überfrachtet.
  • Auch die Verquickung von Freiheit und Einheit passt nicht uneingeschränkt auf die Zeit von 1989/90.
  • Zudem war der Ort falsch gewählt. Wir haben uns seit Beginn an für die Würdigung der authentischen Orte, also des Alexanderplatzes in Berlin oder der Nikolaikirche in Leipzig, ausgesprochen.
  • Und schließlich: von den Bürgerinnen und Bürgern breit getragen wurde die Denkmalsidee auch nicht.

Aus all diesen Gründen finde ich es gut, dass der Pausenknopf gedrückt wurde.

Problematisch dagegen finde ich, dass sich die Kulturstaatsministerin seit dem Beschluss im Haushaltsausschuss bereits öfter auf das Brandenburger Tor bezogen hat und darin ein „von den Bürgern frei gewähltes Freiheits- und Einheitsdenkmal“ sieht.

Ich finde, dass das den Aufbruch von damals erst recht auf den Einheits-Aspekt reduziert und die eigentliche Leistung der Bürgerinnen und Bürger in der DDR minimiert.

Die Reformbestrebungen und der Gestaltungsanspruch von damals kommen in meinen Augen ohnehin schon viel zu kurz – mit der Fixierung auf die Vereinigung wird diese beschränkte Sichtweise noch befördert. Und ob eine zentrale Lösung die beste ist, bezweifle ich ja ohnehin.

Wenn wir uns die aktuelle gesellschaftliche Verfassung ansehen, den zunehmenden Erfolg populistischer Positionen und rechtsextremer, menschenfeindlicher Einstellungen, könnte man auch überlegen, die politische Bildung mit pluralen und partizipativen Ansätzen zu forcieren – und so die Erinnerung an 1989/90 und das Streben nach Demokratie und Freiheit ganz neu zu beleben.

13. April 2016

Stopp des Einheitsdenkmals auch kulturpolitisch richtige Entscheidung

Die Haushälter der Koalition haben angekündigt, das Freiheits- und Einheitsdenkmal zu stoppen. Dazu erkläre ich in folgender Pressemitteilung:

Endlich haben auch die Haushälter der Koalition eingesehen, dass die Idee eines zentralen Denkmals für alle Freiheits- und Einheitsbewegungen in den deutschen Staaten vor dem rekonstruierten Preußenschloss von Anfang an zum Scheitern verurteilt war. Aus kulturpolitischer Sicht ist die Entscheidung richtig und überfällig.  

Nachdem in den letzten Monaten nur Schweigen zum Freiheits- und Einheitsdenkmal herrschte, überrascht der angekündigte Rückzug der Koalition nun umso mehr. Dennoch: Wir freuen uns, dass die Vernunft gesiegt hat.

 

Bereits der gesamte Entstehungsprozess war undemokratisch. Die mangelnde Einbeziehung der Bürger und des Parlaments konterkarierten die friedliche Revolution von 1989/90 ebenso wie die Wahl des ungeeigneten Ortes vor dem wiederaufgebauten Preußenschloss.

Ein zentrales Denkmal für alle Freiheits- und Einheitsbestrebungen musste aber auch scheitern, weil es inhaltlich hoffnungslos überfrachtet ist und auch die Verquickung von Freiheit und Einheit nicht uneingeschränkt auf die Friedliche Revolution 1989/90 zutrifft.

Die Jahrestage der Deutschen Einheit verstrichen denn auch, ohne dass es im Planungs- und Bauprozess voranging oder überhaupt eine Baugenehmigung vorlag. Stattdessen entstanden immer neue Probleme, weil man die Barrierefreiheit und Denkmalschutz missachtete sowie die artgerechte Umsiedlung der Fledermäuse unterschätzte.

Wir sollten nun die Chance nutzen, um von vorn und vor allem mit den Bürgern zu debattieren, wie ein Gedenken und wie eine Aktualisierung der Aufbruchsstimmung von 1989/90 an den authentischen und dezentralen Orten aussehen kann, am Alexanderplatz in Berlin zum Beispiel oder an der Nikolaikirche in Leipzig. Ein Denkmal lässt sich eben nicht von oben verordnen, sondern muss auch von den Bürgerinnen und Bürgern akzeptiert werden. Das ist eine kulturpolitische Herausforderung, nicht nur eine Frage des Geldes.

29. Januar 2016

Fachgespräch zu den Herausforderungen für die Fortführung der NS-Aufarbeitung - Finanzierung und Weiterentwicklung der Gedenkstättenarbeit

Der Kulturausschuss hatte in seiner Sitzung am 27. Januar 2016 auch Wissenschaftler_innen und Gedenkstättenleiter_innen eingeladen, um sich mit ihnen in einem Fachgespräch über neue Herausforderungen für die Fortführung der NS-Aufarbeitung auszutauschen. Zwei Themenfelder standen dabei im Vordergrund: die Finanzierung und Weiterentwicklung der Gedenkstättenarbeit.

Gedenkstätten haben sich in den letzten Jahren von Orten des Gedenkens und Erinnerns hin zu offenen Lernorten entwickelt. Dies gilt umso mehr, da der zeitliche Abstand zu den NS-Verbrechen immer größer wird und wir in einer Einwanderungsgesellschaft leben, in der viele keinen familiären Bezug zu den konkreten Verbrechen der NS-Zeit haben – sei es auf Opfer- oder Täterseite. Und das gilt auch, wenn man sich die rechtspopulistischen Agitationen anschaut, mit denen wir uns zunehmend auseinandersetzen müssen und die belegen, dass Antisemitismus und gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit auf eine erschreckend breite gesellschaftliche Zustimmung stoßen. Aber trotz dieser Entwicklungen muss meiner Meinung nach Konsens darüber bestehen, dass die Arbeit der Gedenkstätten nicht durch politische Reflexe überlagert werden darf, sondern langfristig und auch unabhängig von politischen Vorgaben gesichert werden muss – finanziell wie personell.

 

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27. November 2015

Kulturhaushalt 2016 - Unser Änderungsantrag zum EP 04 - KZ-Gedenkstätten

Aufgrund seiner Geschichte trägt Deutschland eine besondere Verantwortung für die Auseinandersetzung mit den während des NS-Regimes und den Vernichtungskriegen begangenen Menschheitsverbrechen, die in ganz Europa Millionen Opfer forderten. Dazu gehört auch, das Gedenken an diese Gräueltäten und das Leid der Opfer wachzuhalten. Die authentischen Orte gewinnen im Rahmen der Bildungsarbeit an KZ-Gedenkstätten immer mehr an Bedeutung, da aufgrund des zeitlichen Abstands immer weniger Zeitzeuginnen und Zeitzeugen für die pädagogische Arbeit zur Verfügung stehen.Das Sonderinvestitionsprogramm (KZ-Gedenkstätten) war im Zusammenhang mit der Fortschreibung der Gedenkstättenkonzeption aufgelegt worden und sollte insbesondere dem Erhalt der authentischen Bausubstanz dienen. Im Haushaltsentwurf 2016 sind beim Titel 894 61 – 195 „Zuschüsse für Investitionen“ insgesamt 1,606 Mio. Euro eingestellt – ohne Mittel für das Sonderinvestitions-programm für KZ-Gedenkstätten. Wir beantragen die Wiederaufnahme des Sonderinvestitionsprogrammes für KZ-Gedenkstätten mit Mitteln in Höhe von 1 Mio. Euro.

HIER der Antrag

27. November 2015

Kulturhaushalt 2016 - Unser Änderungsantrag zum EP 04 - Robert-Havemann-Gesellschaft e.V., Berlin

Die Robert-Havemann-Gesellschaft e.V. sammelt, bewahrt und erschließt in ihrem Archiv Quellen ganz unterschiedlicher Art zu Opposition und Widerstand in der SBZ/DDR und macht sie der Öffentlichkeit zugänglich. Als eines der bedeutendsten Archive zur DDR-Oppositionsgeschichte leistet es eine wichtige erinnerungspolitische Arbeit von nationaler Bedeutung. Um das Archiv langfristig zu sichern und eine Bewahrung der Bestände zu ermöglichen, ist ein Umzug aus den bisherigen für ein Archiv ungeeigneten Räumlichkeiten dringend geboten. Der Bund hat im laufenden Jahr Mittel in Höhe von 500 T€ bereitgestellt, um eine Qualifizierung und eine zunächst standortunabhängige Umzugsplanung vornehmen zu können. Parallel lässt das Land Berlin dazu eine Machbarkeitsstudie erstellen.
Doch unabhängig vom Standort hat die Robert-Havemann-Gesellschaft e.V. einen Bedarf in Höhe von 540 T€, um die laufenden Betriebskosten decken zu können. Wir schlagen zur Absicherung der Finanzierung der Robert-Havemann-Gesellschaft e.V. eine dem Gedenkstättenkonzept entsprechende hälftige Finanzierung durch den Bund und das Land Berlin vor und fordern eine Aufstockung der Mittel im Titel 685 61 – 195, Erläuterungsziffer 2.8 „Gedenkstättenkonzept“ um 270 T€.

HIER der Antrag

5. August 2015

Neustart für Freiheits- und Einheitsdenkmal wünschenswert

Radiointerview für die Sendung "Politikum" im WDR 5

Die Sendung "Politikum - Das Meinungsmagazin" des Radiosenders WDR 5 beschäftigt sich in ihrer Rubrik "Wiedervorlage" mit Themen, die vor einiger Zeit durch die Medien gingen und dann jedoch wieder aus dem Blick gerieten. Am Dienstag wurde ein Beitrag zum Freiheits- und Einheitsdenkmal ausgestrahlt, für den der Redakteur Clemens Hoffmann auch mich interviewte.

Ursprünglich sollte das Freiheits- und Einheitsdenkmal zum 20. Jahrestag der Maueröffnung fertiggestellt sein. Dass es nun auch zum 25. Jahrestag der Deutschen Einheit noch unrealisiert ist, es noch nicht einmal eine Baugenehmigung gibt, liegt nicht nur an den denkmalgeschützten Bodenmosaiken, den Fledermäusen oder der Gewährleistung der Barrierefreiheit. Der unglückliche Wettbewerb hatte schon gezeigt, dass das Problem vor allem in der inhaltlichen Überfrachtung liegt. Alle Freiheitsbewegungen aller Jahrhunderte an einem zentralen Ort zusammenbringen zu wollen, das musste schief gehen.  

Eigentlich wäre jetzt ein guter Zeitpunkt, einen Neuanfang zu wagen und zu überlegen, ob dieses zentrale Einheitsdenkmal überhaupt sinnvoll ist, oder ob wir uns lieber auf die authentischen Orte konzentrieren. Die Nikolaikirche in Leipzig oder der Alexanderplatz in Berlin würden mir sofort einfallen - und auch die Akzente angemessen verschieben. 

Der Beitrag kann hier nachgehört bzw. nachgelesen werden. Die gesamte Sendung ist hier zu finden. 

12. Juni 2015

Freiheits- und Einheitsdenkmal

Antworten auf meine Schriftlichen Fragen bezüglich des Planungsstands, der Baugenehmigung und eventuell offener Fragen

 

HIER die Antworten (als PDF)