Gleichstellung im Kulturbetrieb

14. März 2017

Verleihung des Gabriele Münter Preises

Heute Abend war ich in der Akademie der Künste, wo der Gabriele Münter Preis an Beate Passow verliehen wurde. Europaweit einzigartig, richtet sich dieser Preis ausschließlich an bildende Künstlerinnen ab 40 Jahren. Damit soll der strukturellen Benachteiligung von Frauen bei gängigen Kunstpreisen Rechnung getragen werden. Der Preis erinnert an die herausragende Künstlerin Gabriele Münter, die sich in der avantgardistischen Künstlervereinigung „Blauer Reiter“ engagierte. Er wurde zum 7. Mal verliehen und ist mit 20.000 Euro dotiert. Bedauerlich ist, dass der Preis leider nicht mit der ursprünglich angedachten Regelmäßigkeit ausgereicht wird, so fand die letzte Vergabe im Jahr 2010 statt.

Im Zuge der Auswertung der Studie des Deutschen Kulturrats zur Situation von Frauen im Kultur- und Medienbereich ist einmal mehr deutlich geworden, wie wichtig die Aufhebung von Altersgrenzen bei Stipendien und Preisen und eben auch spezielle Förderinstrumente für Frauen, wie eben der Gabriele Münter Preis, sind, um bestehende Ungerechtigkeiten auszugleichen.

Die heutige Verleihung des Preises hat mich in meiner Position bestärkt, dass der Gabriele Münter Preis unbedingt in die Verantwortung der Beauftragten für Kultur und Medien gehört, ist es doch in erster Linie ein Kunstpreis, der sich an professionelle bildende Künstlerinnen richtet, und dem eine größere Aufmerksamkeit in der Öffentlichkeit und in der Kunstwelt gebührt.

Die Ausstellung der Arbeiten der Preisträgerin und weiterer 19 Finalistinnen ist in der AdK am Hanseatenweg noch bis zum 17. April 2017 zu sehen. Ergänzt wird sie durch Arbeiten von Gabriele Münter und den Preisträgerinnen von 1997 und 2004 Valie Export und Ulrike Rosenbach. Anschließend wird die Ausstellung im Frauenmuseum Bonn gezeigt. 

21. Dezember 2016

Runder Tisch zu "Frauen in Kultur und Medien"

Im Sommer hatte der Kulturrat die Studie „Frauen in Kultur und Medien“ vorgestellt, die Zahlenmaterial der vergangenen zwanzig Jahre zur Situation von Frauen im Kultur- und Medienbereich zusammengetragen und ausgewertet hat und darauf aufbauend auch den enormen Handlungsbedarf für eine Gleichstellung der Geschlechter in diesem Feld umrissen hatte. Bei der Vorstellung der Studie versprach Monika Grütters, die Bundesbeauftragte für Kultur und Medien, noch in diesem Jahr einen Runden Tisch einzuberufen.

Gestern nun war es so weit: zahlreiche Vertreterinnen und Vertreter aus dem Film- und Fernsehbereich, der Literatur oder der Musik, den darstellenden und den bildenden Künsten, aus dem Journalismus, der Kreativbranche oder der Kunst-, Musik- und Filmhochschulen kamen gestern im Bundeskanzleramt zusammen, um anhand von Leitfragen konkrete Vorschläge für eine spürbare Verbesserung der Situation von Frauen im Kultur- und Medienbereich zu erreichen.

Einig waren sich alle darin, dass es sich bei der Gleichberechtigung der Geschlechter nicht um ein kleines Spezialthema handelt, sondern um ein gesamtgesellschaftliches Ziel, um kulturelle und mediale Vielfalt, mithin um die Umsetzung des Grundgesetzes. Und: Einigkeit bestand darin, dass es schnell konkrete Maßnahmen braucht, um die strukturelle Ungerechtigkeit aufzubrechen.

Nach einer Einführung der BKM und von Olaf Zimmermann vom Kulturrat standen dann vor allem vier Aspekte im Zentrum der Diskussion: Frauen in Leitungspositionen, Zusammensetzung von Jurys und Gremien, die Vereinbarkeit von Familie und Karriere sowie vor allem der Gender Pay Gap, der im Kultur- und Medienbereich erschütternde 24 Prozent beträgt. Die gestern in die Diskussion eingebrachten Vorschläge sollen nun zeitnah in Arbeitsgruppen ausgearbeitet werden, so dass noch vor der Sommerpause einige der Vorschläge konkret umgesetzt werden können.

Der gestrige Tag hat doch froh gestimmt, dass es nicht nur wieder erneut eine Debatte um das Thema gibt, sondern endlich auch ein konkretes Maßnahmenpaket. Zu verdanken ist dies auch und vielleicht sogar vor allem dem großen Engagement der Initiativen Pro Quote und Pro Quote Regie.

Die Studie „Frauen in Kultur und Medien“ kann seit dieser Woche kostenlos als E-Book auf den Internetseiten des Kulturrates heruntergeladen werden:
https://www.kulturrat.de/pressemitteilung/studie-frauen-in-kultur-und-medien-jetzt-als-e-book/

 

2. Dezember 2016

Limbach-Kommission / Runder Tisch zur Geschlechtergerechtigkeit

 

Ich hatte Schriftliche Fragen gestellt, in denen es u.a. um folgendes Thema ging:

  • Wie der aktuelle Stand bei der Einrichtung eines Runden Tisches zur Geschlechtergerechtigkeit im Kultur- und Medienbereich ist

 

HIER die Antworten

10. November 2016

In der Filmförderung braucht es dringend eine Quote

Rede zum Gesetzentwurf der Bundesregierung über Maßnahmen zur Förderung des deutschen Films (Filmförderungsgesetz – FFG) und zu unserem Antrag "Filmförderung - Impulse für mehr Innovation statt Kommerz, für soziale und Gendergerechtigkeit und kulturelle Vielfalt" (DS 18/8073)

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Beim Film und Fernsehen sieht es mit der Geschlechtergerechtigkeit zwischen Frauen und Männern im Jahr 2016 genauso schlecht und defizitär aus wie in anderen Bereichen. Dank der Initiative einzelner Regisseurinnen führte der Bundesverband Regie nun zum dritten Mal ein Gendermonitoring durch. Erst vor ein paar Tagen erschien der dritte Diversitätsbericht.

Auch diese aktuellen Zahlen sind mehr als ernüchternd: Nur jeder sechste Film im Abendprogramm der ARD wurde von Frauen inszeniert. Beim ZDF ist es sogar nur jeder achte Film, obwohl die Absolventen von Filmhochschulen zu fast 50 Prozent weiblich sind. Das muss sich dringend ändern.

(Beifall bei der LINKEN und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)

Dank des Engagements der Initiatorinnen von Pro Quote Regie gelangte das Thema der eklatanten Ungerechtigkeit in den letzten drei Jahren immer wieder an die Öffentlichkeit. Ich begrüße ebenfalls die Vertreterinnen oben auf der Besuchertribüne.

(Beifall bei der LINKEN sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN)

Heute ist der Zeitpunkt so günstig wie nie, mit der Filmförderungsgesetzesnovelle die Weichen endlich so zu stellen, dass man der systemisch bedingten Ungerechtigkeit zwischen den Geschlechtern entgegenwirken kann. 

 

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20. September 2016

Frauen in Kultur und Medien

Das zwd-POLITIKMAGAZIN Frauen. Gesellschaft. Bildung & Kultur befasst sich in seiner aktuellen Ausgabe u.a. mit der Studie "Frauen in Kultur und Medien", die der Deutsche Kulturrat im Juni präsentiert hat. In diesem Artikel wird nun kritisiert, dass sich der Bundestag mit den Ergebnissen der Studie bisher nicht wirklich befasst hat - was leider stimmt. In der letzten Sitzung des Ausschusses für Kultur und Medien wurde das Thema auf unseren Wunsch hin zwar kurz unter der Rubrik Aktuelles angesprochen - das reicht jedoch nicht aus. In dem Beitrag werde ich wie folgt zitiert:

 

"Doch was kann die Politik für mehr Gleichstellung im Kultur- und Medienbetrieb tun? 'Einzelne Datenerhebungen haben in der Vergangenheit immer wieder bestätigt, dass Frauen sich nicht nur schlechtergestellt fühlen, sondern auch im Kultur- und Medienbereich wirklich an gläserne Decken stoßen', mahnte Sigrid Hupach, kulturpolitische Sprecherin der Fraktion Die Linke. Um gegen diese strukturellen Ausgrenzungsmechanismen anzukommen helfe es nicht, wenn Frauen sich 'einfach ein bisschen mehr Mühe geben' würden, sagte sie.
'Wir brauchen stattdessen ein ganzes Maßnahmenpaket: Mit verbindlichen Vorgaben für die Beachtung der Geschlechtergerechtigkeit bei der Besetzung von Leitungspositionen, Gremien und Jurys, bei der Ausreichung von Fördermitteln oder beim Ankauf von Kunst; mit Ideen gegen prekäre Lebens- und Arbeitsverhältnisse wie Ausstellungsvergütungen, Mindesthonorare oder neue Arbeitszeitmodelle; mit einer Aufhebung von Altersgrenzen bei Stipendien und Förderpreisen; mit einem regelmäßigen Gendermonitoring und vielem mehr', forderte Hupach."

12. Juli 2016

Ist Frauenförderung in der Kultur heute noch nötig?

Diese Frage stellt die Zeitung Politik & Kultur in ihrer aktuellen Ausgabe. Wir kulturpolitischen SprecherInnen der Bundestagsfraktionen gaben Antworten.
Hier mein Statement:

Wie wunderbar wäre es, könnte ich die Frage guten Gewissens mit „Nein“ beantworten! Leider ist die Realität von Frauen eine ganz andere: Einzelne Datenerhebungen haben in der Vergangenheit immer wieder bestätigt, dass Frauen sich nicht nur schlechter gestellt fühlen, sondern auch im Kultur- und Medienbereich wirklich auf gläserne Decken stoßen. 

Der zweite Diversitätsbericht des Bundesverbandes Regie zum Beispiel machte Anfang des Jahres die dramatische Lage noch einmal deutlich: 2014 gingen 83 Prozent aller Filmfördermittel in Deutschland an Männer. Bei den über 5 Mio. Euro budgetierten Projekten waren es 100 Prozent! Und das, obwohl es mit 42 Prozent Filmhochschulabsolventinnen keineswegs an qualifizierten Regisseurinnen mangelt.

Um gegen diese strukturellen Ausgrenzungsmechanismen anzukommen, hilft es nicht, wie eine Fachkollegin von der CSU forderte, wenn Frauen sich einfach ein bisschen mehr Mühe geben würden. Wir brauchen stattdessen ein ganzes Maßnahmenpaket:  ...

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29. Juni 2016

Auf Zahlen müssen Taten folgen

Gemeinsame Pressemitteilung zur Veröffentlichung der Studie „Frauen in Kultur und Medien“ mit Harald Petzold, medienpolitischer Sprecher, und Cornelia Möhring, frauenpolitische Sprecherin unserer Fraktion

„Wir sollten nun endlich den Zahlen Taten folgen lassen und in Auswertung der Studie die dort formulierten Empfehlungen in konkrete Maßnahmen übersetzen. Nur so können wir Gendergerechtigkeit endlich erreichen“, erklären Sigrid Hupach, kulturpolitische Sprecherin, Harald Petzold, medienpolitischer Sprecher, und Cornelia Möhring, frauenpolitische Sprecherin der Fraktion DIE LINKE, mit Blick auf die aktuelle Studie „Frauen in Kultur und Medien“ des Deutschen Kulturrates.
„Unsere Forderung nach einem Maßnahmenkatalog für mehr Gendergerechtigkeit im Kultur- und Medienbereich wurde im Parlament bisher mit dem Verweis abgelehnt, man müsse erst die Zahlen abwarten. Nun liegt nach zwölf Jahren zum ersten Mal wieder eine Studie mit konkretem Daten- und Zahlenmaterial vor – und zeigt zweierlei: Wie wichtig Gendermonitoring und regelmäßige Berichterstattung zum Arbeitsmarkt Kultur & Medien im Allgemeinen sind und wie groß der Handlungsbedarf im Konkreten ist.“

 

Sigrid Hupach: „Sensibilisierung ist wichtig, das zeigt auch die Studie. Aber das allein reicht nicht. Wir müssen uns vor allem daran machen, die Lebens- und Arbeitsbedingungen für Frauen im Kultur- und Medienbereich zu verbessern – und dafür alle bisherigen Förderinstrumente auf den Prüfstand stellen. Es darf doch nicht sein, dass der Gender Pay Gap bei jungen Freiberuflerinnen in den letzten Jahren sogar noch größer geworden ist. Gleicher Lohn für gleiche Arbeit – das muss auch im Kultur- und Medienbereich eine Selbstverständlichkeit werden.

Nur so wird es uns gelingen, auch das komplexe Thema Altersarmut anzugehen, von der Frauen gerade wegen der schlechten Einkommenssituation und der gebrochenen Erwerbsbiographien im Kultur- und Medienbereich noch stärker betroffen sind als ihre männlichen Kollegen. Die Altersarmut könnte auch ein Schwerpunktthema eines kommenden Berichts sein – denn die vorliegende Studie sagt dazu noch nicht viel.“ 

 

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21. März 2016

Gleichberechtigung in der Kunstwelt

Das zwd-Politikmagazin fragt in seiner aktuellen Ausgabe nach, welcher Handlungsbedarf besteht, um im Kulturbereich mehr Gleichberechtigung zu erreichen. Hier meine Antwort:

In Kürze wird die Studie des Kulturrats zu Frauen im Kultur- und Medienbereich vorliegen und wohl erneut ein ernüchterndes Bild struktureller Ausgrenzung zeichnen, das viele aus der Praxis kennen. Dennoch sind diese Studien wichtig, schaffen sie doch Öffentlichkeit, schärfen das Bewusstsein und regen zur kritischen Reflexion auch des eigenen Tuns an.

Allein ändern sie aber wenig. Auch das Vertrauen auf freiwilliges Engagement führte bisher nicht zu nachhaltigen Verbesserungen. Aus der Studie muss daher ein Maßnahmenkatalog folgen: mit verbindlichen Vorgaben für die Beachtung der Geschlechtergerechtigkeit bei der Besetzung von Leitungspositionen, Gremien und Jurys, bei der Ausreichung von Fördermitteln oder beim Ankauf von Kunst und mit Sanktionen bei Nichteinhaltung; mit Ideen gegen prekäre Lebens- und Arbeitsverhältnisse wie Ausstellungsvergütungen, Mindesthonoraren oder neuen Arbeitszeitmodellen; mit einer Aufhebung von Altersgrenzen bei Stipendien und Förderpreisen; mit einem regelmäßigen Gendermonitoring usw.

Beim Urheberrecht oder der Filmförderung bieten sich aktuell Chancen, Strukturen gesetzgeberisch aufzubrechen: Hier können wir ganz konkret die Kreativen stärken und bei der Filmförderung eine Quote festschreiben – nicht um ihrer selbst willen, sondern um einen verzerrten Wettbewerb korrigieren zu können. Damit erweisen wir letztlich auch der Kunst einen Dienst. 

23. Februar 2016

"Unterrepräsentiert"

Die Wochenzeitung "Das Parlament" berichtet unter dieser Überschrift in der aktuellen Ausgabe über die Debatte zum Antrag der Grünen "Grundlagen für Gleichstellung im Kulturbetrieb schaffen" vergangenen Freitag.

Darin heißt es u.a.:

"Die kulturpolitischen Sprecherinnen der Grünen, Ulle Schauws, und der Linken, Sigrid Hupach, warben eindringlich für die Annahme des Antrags. Frauen seien in führenden Stellen im Kulturbetrieb noch immer deutlich unterrepräsentiert. Mit Blick auf die Berlinale führten sie das Beispiel Film an. So fließen laut einer aktuellen Studie rund 83 Prozent der Filmförderung an Filme, bei denen Männer Regie führen, und nur 17 Prozent an Filme mit Regisseurinnen. Das liege sicherlich nicht an der Qualität weiblicher Regisseure. Schauws und Hupach plädierten deshalb für die Einführung von Quoten. Diese würden nicht, wie oft behauptet, den Wettbewerb verzerren, sondern eine Wettbewerbsverzerrung beseitigen."

 

HIER der komplette Artikel

19. Februar 2016

Eine Quote gewährleistet Vielfalt und damit Qualität im Kulturbereich

Rede zu dem Antrag der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN "Grundlagen für Gleichstellung im Kulturbetrieb schaffen" (Drucksachen 18/2881)

Wie Sie alle wissen, ist derzeit Berlinale. Letzten Montag war ich in der Bubble der Initiative Pro Quote Regie am Potsdamer Platz.

(Steffi Lemke (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN): Wir auch!)

Diese Initiative hatte zu Gesprächen, Diskussionen und Statements rund um die Gleichstellung eingeladen. Im vergangenen Jahr hat sie für viel Aufregung gesorgt, indem sie einfach pure Fakten zur Benachteiligung von Frauen im Filmbereich in die breite Öffentlichkeit getragen hat.

Seit dem Wochenende liegt nun auch der zweite Diversitätsbericht des Bundesverbandes Regie vor. Danach sind die Zahlen für 2014 noch schlimmer als die der Jahre 2010 bis 2013. 2014 führten Frauen bei der ARD nur bei 11,2 Prozent aller Filme und Serien in der Primetime Regie. Beim ZDF waren es sogar nur 8,4 Prozent.

Eine Ursache dafür liegt unter anderem in der ungleichen Verteilung der Fördermittel. 83 Prozent aller Filmfördermittel gehen in Deutschland an Männer, und nur 17 Prozent werden für Filme bereitgestellt, bei denen Frauen Regie führen. Bei Filmen mit einem Budget von über 5 Millionen Euro hat 2014 übrigens keine einzige Frau Regie geführt, und das liegt nicht daran, dass es zu wenige Frauen in diesem Bereich gibt; denn 42 Prozent der Absolventinnen und Absolventen der Filmhochschulen sind Frauen.

Keineswegs büßen diese sehr gut ausgebildeten Absolventinnen kurz nach dem Diplom auf geheimnisvolle Weise einen Großteil ihres Könnens und ihrer Kreativität ein. Nein, es liegt daran, dass die Gremien und die Jurys, die über die Vergabe von Projekten und Fördermitteln entscheiden, männlich dominiert sind.

 

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15. Februar 2016

Zu Gast bei Pro Quote Regie

Die Initiative Pro Quote Regie präsentiert sich mit ihrer Bubble Q, einem multimedialen Infozelt, am Rande der Berlinale und stellt die Q-Frage - Qualität versus Quote oder Qualität durch Quote? Seit einiger Zeit schon verfolge ich, was diese Initiative macht und habe bei verschiedenen Gelegenheiten mit ihren Vertreterinnen sprechen können - beispielsweise bei unserer Veranstaltung "Kunst trifft Politik" zur Gleichstellung im Kulturbetrieb. 
Im Interview, das die Regisseurin Barbara Rohm heute mit mir führte, habe ich ihnen erneut meine volle Unterstützung ausgesprochen - Frauen müssen für ihre Sache kämpfen. Und ich bin auch der Meinung, dass wir eine Quote brauchen. Mehr Frauen in der Regie bedeuten mehr Vielfalt und damit auch mehr Qualität. Im Jahr 2016 wird es nun endlich Zeit, dass die Geschlechtergerechtigkeit auch im Film umgesetzt wird.

Hier mein Video-Statement für Pro Quote Regie

21. Januar 2016

Mein Text zur Gleichstellung im Kulturbetrieb in der aktuellen LOTTA, dem Magazin unserer Fraktion zu den Themen FRAUEN, LEBEN, LINKS!

Im Kultur- und Medienausschusses des Bundestags gab es im November 2015 eine Anhörung zu diesem Thema. Sie war ernüchternd. Die Publizistin Adrienne Goehler machte kein Hehl daraus, dass immer noch und immer wieder die meisten der öffentlich geförderten Kultureinrichtungen unter männlicher Leitung stehen. Beispiel: Das gerade neu besetzte Humboldtforum und die Volksbühne in Berlin. Sie zitierte die Journalistin Elke Schmitter: „Eine Quote nervt, ist lästig und antidemokratisch. Aber die Realistät nervt auch, ist lästig und antidemokratisch.“ Der Zusammenschluss Pro Quote Regie sprach von 42 Prozent Filmschulabsolventinnen, im öffentlichrechtlichen Fernsehen führen jedoch nur 11 Prozent Frauen Regie. Der Verein BücherFrauen sprach von 80 Prozent Frauen in ihrer Branche, in der Führungsebene finden sich nur 16 Prozent. Die Liste der Missverhältnisse ließe sich beliebig fort führen.

Ja, die Quote nervt. Aber ohne verbindliche Regelungen und ohne spürbare Sanktionen wird es keine Veränderung geben. So das Fazit der Anhörung, so aber auch die Erfahrungen anderer Länder. In Schweden konnte der Frauenanteil im Bereich Regie dank gesetzlicher Vorgaben innerhalb von nur fünf Jahren von 17 auf 45 Prozent gesteigert werden. Darüber hinaus müssen die prekären Arbeitsverhältnisse im Kultur- und Kreativbereich beendet werden. Die Vergabe öffentlicher Mittel sollte nicht nur an die Gendergerechtigkeit gebunden werden, sondern auch an die Einhaltung von Tarifverträgen, an gemeinsame Vergütungsregeln oder Honorarempfehlungen. Das alles ginge. Man(n) muss es nur wollen. DIE LINKE will eine Gleichstellung im Kulturbetrieb. 

HIER die komplette Ausgabe 11 der LOTTA 

12. November 2015

Anhörung zur Gleichstellung im Kulturbereich

Am gestrigen Mittwoch fand im Ausschuss für Kultur und Medien eine öffentliche Anhörung zur Gleichstellung im Kulturbereich statt. Einmal mehr zeigte sich, wie breit und hoch komplex dieses Thema ist, da der Kultur- und Medienbereich sehr unterschiedliche Felder umfasst, von öffentlich-geförderten Bereichen bis hin zur freien Wirtschaft.

Bereits 2012 hatte es im Kulturausschuss eine Anhörung gegeben und wir alle führen an unterschiedlichen Stellen Diskussionen darüber. Da bekommt man gelegentlich den Eindruck, dass sich die Debatten ähneln – wohl auch, weil sich nicht grundlegend etwas zu ändern scheint.
Insbesondere bei der Einkommensgestaltung führen die neuen Arbeitsformen mit zunehmend mehr Freiberuflerinnen, Soloselbständigen, Click- und Crowdworkerinnen eher noch zu einer Verschärfung der prekären Verhältnisse.

Mit meinen kulturpolitischen Kolleginnen und Kollegen aus den Ländern haben wir uns in der vergangenen Woche einmal mehr über die Möglichkeiten von Mindesthonoraren im Kultur- und Kreativbereich verständigt: Bei aller Differenzierung scheint es hier vor allem notwendig zu sein, dass die öffentliche Hand mit gutem Beispiel vorangeht und bei der Finanzierung von Zuwendungsempfängern oder bei der Ausreichung von Fördermitteln verbindlich festlegt, dass Tarifvereinbarungen, gemeinsame Vergütungsregeln, Honorarempfehlungen oder Selbstverpflichtungen eingehalten bzw. beachtet werden müssen. Voraussetzung dafür ist natürlich, dass die Einrichtungen auch entsprechend finanziert sind.

Wir brauchen dringend eine grundlegende Verbesserung der prekären Lebens- und Arbeitsverhältnisse im Kultur- und Kreativbereich – denn dann haben alle etwas davon, vor allem aber auch die Frauen. Ohne verbindliche Quotenregelungen sowie auch spürbaren Sanktionen bei Nichteinhaltung wird man wohl auch in den nächsten Jahren hier zu keinen nennenswerten gesellschaftlichen Veränderungen kommen können.


Als Sachverständige waren eingeladen:

Adrienne Goehler (Freie Publizistin und Kuratorin, Senatorin für Wissenschaft, Forschung und Kultur a. D.); Dr. Valeska Henze (BücherFrauen e.V., 1. Vorsitzende des Vorstandes); Maria Mohr (Pro Quote Regie e.V., Mitglied des Vorstandes); Gabriele Schulz (Deutscher Kulturrat e.V., stellvertretende Geschäftsführerin); Ursula Theißen (Frauenkulturbüro NRW e.V., Geschäftsführerin); Jutta Troost (Deutscher Städtetag, Referentin für Gleichstellungsangelegenheiten)


HIER die Leitfragen der Anhörung

HIER das Wortprotokoll der Anhörung

HIER ein Mitschnitt und eine Zusammenfassung der Anhörung

23. September 2015

Veranstaltungsreihe "Kunst trifft Politik" zum Thema Gleichstellung im Kulturbetrieb

Bettina Schoeller-Bouju, Cornelia Möhring, Mathilde ter Heijne (v.l.)

Gestern Abend haben Cornelia Möhring, die frauenpolitische Sprecherin unserer Fraktion, und ich zu einer Podiumsrunde in den Salon der Rosa-Luxemburg-Stiftung in Berlin eingeladen, um über Gleichstellung im Kulturbetrieb zu diskutieren. Unsere Gesprächspartnerinnen waren Bettina Schoeller-Bouju, Regisseurin und Mitinitiatorin von „Pro Quote Regie“ und Mathilde ter Heijne, Künstlerin und Mitbegründerin von „f f Collaborations“.

Es ist eigentlich ein Skandal, dass auch im Jahr 2015 noch gilt: je lukrativer und besser bezahlt ein Job ist, desto wahrscheinlicher ist es, dass ein Mann sie bekommt. Dieses Ungleichgewicht besteht auch im Kulturbetrieb, wovon unsere Gäste auf dem Podium nur zu gut berichten konnten. Mathilde ter Heijne rief dazu auf, dass man auf allen Ebenen versuchen müsse, diese gläsernen Decken zu durchbrechen. Für sie persönlich wären Solidarität, Aufklärung und das Zusammenfinden in Kollektiven entscheidende Säulen, um Veränderungen in unserer Gesellschaft herbeizuführen. Und dass das ein ständiges Ziel sein müsse, daran ließ sie in ihren kämpferisch, optimistischen Appellen keinen Zweifel. Bettina Schoeller-Bouju erzählte, dass sie sich lange geweigert habe, sich mit diesem Thema überhaupt zu befassen, weil sie nicht als Frau, sondern einfach als Filmemacherin wahrgenommen werden wollte. Nur stellte sie auch irgendwann fest, dass man Frauen gewisse Eigenschaften und Qualitätsarbeit nicht zutraue. Man gönne Frauen den Erfolg nicht, den man aber brauche, um Filme machen und finanzieren zu können.

Was wir definitiv brauchen, und das ist ein klares Fazit des Abends, sind Netzwerke quer durch die Gesellschaft. Und wir brauchen die Quote, die zwar nicht das Ziel, aber doch der Weg sein könne, um etwas zu erreichen, wie Cornelia Möhring abschließend sagte.

Und hier der Mitschnitt der Diskussion:

 

 

22. September 2015

Kunst trifft Politik II: Gleichstellung im Kulturbetrieb

Auch im Jahr 2015 gilt: je lukrativer, spezialisierter und besser bezahlt eine Arbeitsstelle, desto wahrscheinlicher ist es, dass ein Mann sie bekommt. Dieses Ungleichgewicht besteht auch im Kulturbetrieb. Im Bereich Film wurden zuletzt weniger als 15% der TV-Regieaufträge an Frauen vergeben – bei fast ausgeglichener Geschlechterverteilung an den Filmhochschulen. Die Initiative „Pro Quote Regie“ fordert deshalb eine Quotierung der Aufträge. Doch lässt sich dieses Instrument für öffentliche Gremien und neuerdings auch Aufsichtsräte von Unternehmen überhaupt auf den Kunstbetrieb übertragen? Adressiert es die Ursachen des Problems – oder wird damit am Ende vielleicht nur ein Leistungsprinzip unterstützt, das weder Männern noch Frauen dient, sondern im Sinne des ökonomischen Systems steht?

Diese und weitere Fragen nach dem Ausweg aus einer gesamtgesellschaftlichen Misere und den Inhalten einer „feministischen Kulturpolitik“ wollen wir gemeinsam mit unseren Gästen diskutieren.

Alle Interessierten sind herzlich eingeladen - eine Anmeldung ist nicht erforderlich.

20. März 2015

Equal Pay Day: Lohnlücke schließen

Bei der heutigen Kundgebung vor dem Brandenburger Tor anlässlich des Equal Pay Day haben natürlich auch wir Mitglieder der Linken im Bundestag darauf aufmerksam gemacht, dass es nicht sein kann, dass Frauen noch immer ca. 20 Prozent weniger verdienen als Männer. Wir fordern deshalb in einem Antrag: Gleichen Lohn für gleiche und gleichwertige Arbeit für Frauen und Männern durchsetzen
Hier auch die Pressemitteilung der frauenpolitischen Sprecherin unserer Fraktion, Cornelia Möhring:"Equal Pay Day 2015 - Wir lassen uns nicht auf Zahlenspiele ein".

12. November 2014

Gleichstellung von Frauen im Kulturbereich

In der aktuellen Ausgabe der Zeitung "Das Parlament" wird über die Debatte zum Antrag der Grünen berichtet: "Frauen sind im Kulturbetrieb nach Ansicht von Bündnis 90/Die Grünen noch immer unterrepräsentiert. In einem Antrag (18/2881), über den der Bundestag am vergangenen Donnerstag in erster Lesung beriet, fordert die Fraktion die Bundesregierung auf, gezielte Maßnahmen zu ergreifen, um die Gleichstellung von Frauen im Kulturbereich voranzutreiben." (...)

Weiter heißt es: "Während Sigrid Hupach (Die Linke) ankündigte, ihre Fraktion werde dem Antrag zustimmen, signalisierten Kulturpolitikerinnen der Koalitionsfraktionen zumindest prinzipielle Sympathie für das Ansinnen."

Den kompletten Artikel kann man HIER lesen.

6. November 2014

Es herrscht keine Gleichberechtigung zwischen Mann und Frau im Kulturbereich

Vielen Dank an die Kolleginnen und Kollegen von Bündnis 90/Die Grünen, dass wir heute über das wichtige Thema der Gleichstellung von Frauen im Kulturbetrieb debattieren können. Ihrem Antrag werden wir zustimmen. Das haben wir schon in der letzten Legislatur getan, als dieser Antrag das erste Mal eingebracht wurde. Jetzt ist er bereichert um den aktuellen Aufruf der Initiative Pro Quote Regie, einer Initiative von rund 200 Regisseurinnen, die sich für Gleichbehandlung einsetzen. Auch ich habe diesen Aufruf mit meiner Unterschrift unterstützt.

Gleichstellung im Kulturbetrieb, das sollte im Jahr 2014 eigentlich eine Selbstverständlichkeit sein. Aber der Kulturbereich ist von Gleichberechtigung von Mann und Frau genauso weit entfernt wie unsere Gesellschaft insgesamt. Es gibt eklatant zu wenige Frauen in Leitungs- und Führungspositionen. Von Equal Pay kann keine Rede sein. Frauen verdienen, wie bereits gesagt, im Kulturbereich im Durchschnitt wesentlich weniger als Männer. Demzufolge sind Frauen in weit höherem Maße von Altersarmut betroffen. Altersarmut in Deutschland ist vorwiegend weiblich.

HIER die komplette Rede (als PDF)

 

23. Oktober 2014

Unterstützung für die Gleichstellung von Regisseurinnen

Die Initiative PRO QUOTE REGIE hat sich vor einem Jahr gegründet. Mittlerweile sind es 200 Regisseurinnen, die für die Gleichstellung von Frauen in dem Beruf eintreten. Sie fordern eine umfassende soziologische Studie zu Werdegang und beruflicher Situation von Regisseurinnen, sowie zur Vergabepraxis von Sendern und Fördergremien unter Gendergesichtspunkten; eine paritätische Besetzung der Entscheidungsgremien aller Filmförderungen und eine Quote für die Vergabe von Regieaufträgen im Fernseh- und Filmbereich. 

Dieses Anliegen kann man nur unterstützen. Deshalb habe ich auch den Aufruf der Initiative unterschrieben.

HIER kann man den Aufruf lesen und erfährt, wie man ebenfalls unterzeichnen kann.